22. Wurzer Sommerkonzerte 2009
01. August 2009 bis 05. September 2009
im Historischen Pfarrhof - in Wurz - in der Oberpfalz

20 Jahre Wurzer Sommerkonzerte

(Humoristische Laudatio der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ –
Verfasser Norbert Neugirg 2007)

Wer aus ganzer Leibeskraft
wider die Betriebswirtschaft
als Ärztin in Berlin fungiert,
mittelloses Volk kuriert
und für Geld, das man nicht hat
fernab der Berliner Stadt,
obwohl’s im Geist soweit noch stimmt,
der Kirche altes Glump abnimmt,
der schafft’s auch in dem alten
Zeug Konzerte abzuhalten
und teils unter Freudenqualen
20 Jahre draufzuzahlen.

Dr. Rita Kielhorn, die verrückte
Ärztin, die der Himmel schickte,
hat gottlob mit allen Tassen
im Schrank dereinst Berlin verlassen
und kaufte in dem Kuhdorf Wurz
kurz vor dem Zusammensturz
den Pfarrhof, den ihr der geschickte
Pfarrer Unsicker aufs Auge drückte,
der einen neuen Pfarrhof wollte
und ´s Geld sich von der Kielhorn holte.

Herrschten doch in jenen Zeiten
die modischen Gehirnkrankheiten
und im Geiste drohten schon Gehirne
dem Pfarrhof mit der Abrissbirne.

Doch der Pfarrherrnsunterstand
fiel in Dr. Kielhorns Hand
und seitdem sorgt sie ohne Rasten
dafür, dass dieser Kleruskasten
in seiner angestaubten Pracht
hält und nicht die Grätsche macht.

Du Dörfchen Wurz, lob’ Gott den Herrn,
dass Frau Dr. Kielhorns Stern
über dieser Hütte steht
und ihr Geist im Dörfchen weht,
denn ohne sie – ich sag’s direkt –
wär’ hier total Hund ver…storben.

Rita Kielhorn führt das Haus
und genauso schaut’s hier aus.
Das einstige Brevierbethäuschen
für des Pfarrers Messles-Päuschen
schreit zwei Jahrzehnte jetzt zum Glück
dank Dr. Kielhorn nach Musik
und das Ding ist so antik,
da passt am besten dieses Stück:

Das alte Haus von Rocky Docky

Frau Doktor liebt, wie ja vernommen,
was betagt ist und verkommen
und deshalb bat sie diesen Haufen
vor ihrem Pfarrklotz aufzulaufen.

Was Gescheites wär’ bei diesen Spesen
und Gästen viel zu teuer g’wesen,
weil das Volk, das sich hier aalt
überwiegend nichts bezahlt.

Dank der kostenträchtigen Gestalten
hat man sich an den Satz gehalten:

Wurscht, was auf der Bühne steht,
Hauptsache die Zeit vergeht
und es ist Zeit, nach 20 Jahren
auch mal am Niveau zu sparen.

Zwei Jahrzehnte hielt und blieb
ein stattlicher Konzertbetrieb
im europäischen Gedanken
über alle Schranken
und Frau Doktor ist das Herz des Ganzen,
Grund genug, heut’ anzutanzen.

Auf die 20 Wurzer Jahre:
Kameraden, die Fanfare!

Happy birthday falsch

Sie haben es gehört:
Der Abend ist es wert,
dass er in einem Essen endet
und man die Zeit nicht mit Musik verschwendet.

Frau Dr. Kielhorn, geschätzte Unterstützer,
liebe Pfarrhof- und Konzertbeschützer,
verehrte Gaukler, Musiker und Komödianten
samt der dazu nah’ verwandten
Politiker diversester Lackierungen
und Ebenen der Führungen,
lieber Wurzer Freundeskreis,
Mandatsträger auf Abstellgleis,
geschätzte gute Geister,
schwer verehrter Bürgermeister,
willkomm’ne und noch nicht zerlumpte
von Dr. Kielhorn Angepumpte,
liebe Haus- und Hofkadetten
und Abreißer der Türbilletten,
verehrte Abendmahleinsparer,
Konzert-, Getränke- und Buffetwallfahrer,
hoch verehrte Küchendamen
und jene, die durch sie zunahmen,
geschätzte frost- und wasserfeste
geprüfte Wurzer Freiluftgäste,

es begrüßen Sie die letzten Reste
von einer „Feierwehr“, von einer alten,
die sich für ein Orchester halten,
von dem behauptet wird – zu Recht –,
dass es so spielt wie’s ausschaut – schlecht.

Die Kapelle ist das allerletzte.
Es handelt sich um Strafversetzte,
die, wenn sie sich ans Löschen machten,
was noch stand zum Einsturz brachten
und mit Musik jetzt und Gedichten
Pfarrhöfe zugrunde richten.

Das Orchester wurde herbestellt,
damit – falls dieser Hof einfällt –
der Schaden sich in Grenzen hält:

Es gibt Personen, die sich eben
gern mit altem Glump umgeben.
Ein Rundblick sagt uns ungezwungen,
das ist heut’ wieder gut gelungen.

So kam, um beste Wünsche zu bestell’n:
„Die Altneihauser Feierwehrkapell’n“

Präsentiermarsch – Muppetshow

Frau Dr. Kielhorn, die vom Schlesierland
über Preußen Wurz in Bayern fand,
ist samt ihrer Buffets mit Schmalz
ein Glücksfall für die Oberpfalz.

Sie war die Ärztin der Verlierer
und streitbarer Doktorenführer,
kam in der ganzen Welt herum,
die Ohren voller Arztgebrumm,
fand sie in Wurz die Harmonie,
die gibt’s in Preußen nie.

In Preußen leben, heißt stets rasen,
ständig wird der Marsch geblasen,
Geschnatter, Hektik, Kugelblitz,
so wie unterm alten Fritz.

Preußens Gloria

Die Suche nach der Ruheinsel
vor Preußens Permanentgewinsel
erfüllte sich – wenn auch schön teuer –
in diesem alten Pfarrgemäuer.

Seit Dr. Kielhorn weiß, dass es ihn gibt,
hat sie sich in den Bau verliebt
und sie beschloss, den Backsteinhaufen
mir nichts dir nichts aufzukaufen.

Die alte Bude war so schön,
irgendwie wird es schon geh’n
und sie entschied – bei ihr der Brauch –
wie schon so oft, ganz aus dem Bauch.

Weil Bäuche so beschaffen sind,
wurde Wurz ihr drittes Kind
und der sakrale Personalbehälter
war als Drittgebor’ner älter
als ihr erster und ihr zweiter Sohn
und dass von allem Anfang schon,
weil er aufgrund der Zölibate
lange keine Mutter hatte.

You are my sunshine

Gleich des Pfarrers Katzen,
zu eb’ner Erde auf Matratzen,
haben Kielhorns jede Feriennacht
die erste Zeit in Wurz verbracht.

Die Wurzer – wie sie halt so sind –
dachten, dass die Kielhorn spinnt.

Doch siehe da, mit Frauenpower,
verteidigte sie jede Mauer,
richtete – ganz gleich wie schwer –
die Pfarrbude fantastisch her
und dank Kielhorns Kraft und Kröten
ging das Ding bis heut’ nicht flöten.

Irgendwann traf sie im Feriensitz
des Pfarrhofs Wurz der Geistesblitz,
dass Musikanten aus dem Osten,
die so viel nicht kosten,
hier – sofern sie wollten –
Musik abliefern sollten.

Sie bat – trotz Grenzvorhang aus Eisen –
sechs Polen Richtung Wurz zu reisen,
um sie (die sind recht unerschrocken)
in ihren alten Bau zu locken,
wo sie am Abend musizierten,
wobei die Gäste deutlich spürten,
dass Musik als weltweiter Regent
tatsächlich keine Grenzen kennt.

Das Konzert erfreute ungemein,
der Pfarrhof fiel davon nicht ein
und obwohl nichts übrig blieb,
gab’s etwas, das Kielhorn trieb,
mit solchen schönen Draufzahlsachen
dem Landstrich ein Geschenk zu machen.

Also nahm die Jahre drauf
die Geschichte ihren Lauf:

Musikanten ihrer Wahl
bis knapp vor dem Ural
rief Dr. Kielhorn in den Westen
und es gefiel den vielen Gästen,
die den Musikanten lauschten
und sich an den Buffets berauschten.
So mancher Musikant befand:
Wurz ist das Schlaraffenland,
denn hinter ihrem Wall aus Eisen
lebte man von kargen Speisen
und Freiheit war dort viele Jahre
absolute Mangelware.

Dem ganzen Sozialismusrotz
und Grenzenwahn erst Recht zum Trotz,
gelang’s Frau Doktor via Notenzeichen
Europas Trennung aufzuweichen.

Sie schaufelte Europa frei,
Ärztin war sie nebenbei,
hingen doch die Herzensschnüre
an der Wurzer Pfarrhoftüre.

Fuhrmannslied

Zum Gartengießen fuhr sie kurz
von Berlin herab nach Wurz
und sie allein hat wohl in all den Jahren
die Autobahn kaputt gefahren.

In der Folge war auf ganzer Breite
Honecker dank Kielhorn pleite
und gottlob ohne Pulverdampf
zerfielen Sozialistenstampf
und verminte Eisenzäune,
nicht zuletzt dank Kielhorns Scheune
sowie der After-Show-Brotzeiten,
die hier die Persönlichkeiten
aus Ost und West bestreiten.

Mit musikalischem Genuss,
ohne einen Schuss,
hat Frau Doktor, ganz gerissen,
die Grenzen faktisch umgeschmissen
und die Mauer mit auf dem Gewissen.

Deutschlandlied

Früher war ja Wurz der Meinung,
die Sonne träte in Erscheinung,
sobald Frau Doktor anreist aus Berlin,
weil sie, solang sie hier war, schien.

Ohne Rücksicht auf Frau Doktors Haare
gab es dennoch Regenjahre
und die durchnässten leider
auch die kapitalsten Kleider
und heißesten Berliner Fummel
bis auf den letzten Stummel
der Behaarung in der Kleidung
und oft fiel die Entscheidung,
auf Freiluft zu verzichten
und in den Pferdestall zu flüchten.

Wenn alles floh, wie vor der Bombe,
in die Pferdekatakombe,
verlor so manche Frau in Hast
ihre Pumps schon im Morast.

Und so erfidelt sich den Rest der Gage
der Geiger in der Gaulgarage.

Der Wurzer Sommer auch Seiten
mit enormen Feuchtigkeiten.

Regnet’s nicht, dann geht der Wind
und Musiker, die neu hier sind,
versuchen ohne Wäscheklammern
gegen Winde anzujammern,
die ihnen dann in Richtung Rasen
die Noten von den Ständern blasen.

So kommt es, wenn sich Winde zeigen,
dass ab und an die Geigen schweigen
und Musikanten über weite Strecken,
gleich versprengten Ziegenböcken
kurz vor einem Herzversagen
einen Stapel Noten jagen.

Wilhelm Tell

Frau Doktor Kielhorn ist geplagt,
weil ihr die Stimme oft versagt,
wenn sie in Wurz weilt - nach zwei Tagen
knarrt es hörbar aus dem Kragen.

Vermutlich leidet sie
an einer Pfarrhof-Allergie,
gegen die, bei all dem Mist,
noch kein Kraut gewachsen ist.

Will sie was in Worte fassen,
nimmt Frau Doktor das gelassen
und hält auf charmante Weise
die Begrüßung dann halt leise
inclusive Spendenwerbung
in ihrer Wurzer Stimmbandfärbung.

Auf dass er sie korrekt bediene,
ist Robert Schumann mit der Bildmaschine
bei Konzerten stets im Bild,
wo er sich am wohlsten fühlt.

Er knipst jeden Bogenstrich,
behauptet oft das Bild für sich
und versteht’s ins Bild zu ragen
wie ein Übertragungswagen.

Schumann nimmt, sofern er mag,
jeden Winkel in Beschlag
und es gibt keine Position,
wo er nicht beim schönsten Ton,
die Lautstärken des Abends lindert,
indem er kurz die Sicht behindert.

Patapata

Oberschlesiens Gastfreundschaft
hat Frau Doktor fabelhaft
aufs Wurzer Pfarrhaus übertragen,
jeder kommt mit leerem Magen.

Seit 20 Jahren enden Tage
mit Konzerten im Gelage.

Weil die Musikanten – war zu hören –
sowieso zu füttern wären,
kommt’s auf 150 Mann
an Gästen nicht mehr an.

Schon in der Pause ragen gelbe Pflaumen
den Gästen in den weichen Gaumen,
die sich an den Pflaumen laben,
weil sie ja schon Hunger haben.

Für postmusikalisches Geschwafel
gibt’s im Anschluss dann die Tafel,
auf die – derweil’s Konzert noch dauert –
das Volk schon von Beginn an lauert.

Die Küche schmeißen die bekannten
weiblichen Verwandten
Ilona und Sofie aus Polen,
die gilt es ins Land zu holen,
wenn die Oberpfalz schon hungrig wartet,
dass in Wurz das Vorspiel startet,
das hier aus Musik besteht,
bevor’s danach ans Essen geht.

Um den Volksstamm abzuspeisen,
pflegt auch Helmut anzureisen.

Ein Pole, der hier, recht verschmitzt,
im Pfarrhof jeden Zaunpfahl spitzt
und für den Fall des Falles
als Mädchen für so ziemlich alles
bereit steht, um in 24 Stunden-Schichten
sein Geschäft hier zu verrichten.

Trotz angespannter Festfinanzen
fand sich etwas Geld im Ranzen,
um, weil die Gäste meistens bleiben,
eine Brotzeit aufzutreiben.

Frau Dr. Kielhorn ist als Wurzerin
vom Zuspruch völlig weg und hin
und genießt es voller Freude,
dass ihr altes Pfarr-Gebäude
sie nicht ruinierte
sondern, wie sie’s spürte,
zu einem Ort sich etablierte,
wo Menschen zueinander finden,
um in Tönen zu ergründen,
was wir über Zaun und Graben
als Menschen noch gemeinsam haben.

20 Jahre hielt der Tempel
samt erstand’nem Pfarrhofkrempel,
Dr. Ritas Musenstempel
wie in der Oberpfalz kein zweites Haus
umringt von Wurzern tapfer aus.

Grund genug, es infernalisch
und zuweilen musikalisch
mit solchen Leuten anzublasen,
die sich die Musik anmaßen
und doch angesichts der Freibierherden
heute Abend scheitern werden.

Frau Doktor war der Meinung
aufgrund seiner Erscheinung
passt dieses Panoptikum
ideal zum Publikum.

Wohin sich meine Blicke richten,
bin ich geneigt, ihr beizupflichten.

Wenn – wir hoffen’s nicht –
heut’ Abend noch ein Brand ausbricht,
dann lassen sie uns bloß in Ruh’
und schau’n sie lieber selber zu,
wie sie – ohne groß zu säumen –
sich selber und das Bier verräumen.

Wir aber wünschen diesem Kunstgehege,
dass es Sankt Florian schützen möge
und er halte seine Hand
über Wurz und ´s Bayernland.

Bayernhymne

Damit lassen wir’s bewenden,
um im warmen Mahl zu enden.

Wir danken ihnen im Voraus
für den berechtigten Applaus.

Noch schöne Stunden in der alten Bude –
und zum Geburtstag: Alles Gute!

Congratulations